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    Das ETF-Dilemma: Verdienen US-Konzerne Milliarden an unseren Sparplänen?

    Jan-Ole Fürl
    10.8.2026
    12 Min.

    Millionen Anleger besparen jeden Monat ETFs für ihre Altersvorsorge. Die Botschaft klingt logisch: Kauf einen Index, halte die Kosten niedrig, lass den Zinseszins arbeiten. Doch hinter den Kulissen hat sich eine gigantische Industrie gebildet, die an genau diesen Sparplänen kräftig verdient. Die Frage ist nicht, ob ETFs sinnvoll sind – sondern wer am Ende den größten Schnitt macht.

    Das ETF-Dilemma: Wo das Geld wirklich fließt

    Das ETF-Dilemma beschreibt einen zentralen Konflikt der modernen Geldanlage: Anleger wollen passiv, günstig und breit gestreut investieren. Gleichzeitig hat die Passiv-Industrie eine Eigendynamik entwickelt, bei der eine Handvoll dominanter Anbieter die Mittelverwaltung kontrollieren. Die Folge: Konzentration, Marktmacht und Gewinne, die nicht bei dir als Anleger landen, sondern bei den Fondsgesellschaften und Indexanbietern.

    Dabei ist die Grundidee von ETFs nach wie vor überzeugend. Statt einzelne Aktien auszusuchen, kaufst du einen Korb aus hunderten oder tausenden Werten. Das senkt das Risiko, verteilt die Chancen und kostet deutlich weniger als aktives Fondsmanagement. Doch je größer die Passiv-Bewegung wurde, desto mehr Geld floss in die Hände weniger Konzerne.

    Wer verdient an ETF-Sparplänen?

    Die sichtbaren Kosten eines ETFs sind die TER (Total Expense Ratio) – meist zwischen 0,12 % und 0,25 % pro Jahr. Das klingt wenig, addiert sich aber über Jahrzehnte zu erheblichen Summen. Doch die TER ist nur die Spitze des Eisbergs. Die tatsächlichen Gewinner der Passiv-Industrie sitzen an ganz anderen Stellen.

    Gewinner der ETF-Industrie im Überblick
    Akteur Rolle Wie verdient wird
    Indexanbieter (S&P, MSCI, FTSE) Stellen die Indizes zusammen Lizenzgebühren pro ETF-Volumen
    Fondsgesellschaften (BlackRock, Vanguard, State Street) Geben die ETFs auf TER & Securities Lending
    Broker (Trade Republic, Scalable, ING) Verwalten dein Depot Ordergebühren, Zinsmarge, Bestandspfand
    Market Maker & Börsen Ermöglichen den Handel Spread & Handelsplatzgebühren

    Indexanbieter: Die unsichtbaren Profiteure

    Unternehmen wie S&P Dow Jones Indices, MSCI und FTSE Russell sind die eigentlichen Architekten der ETF-Welt. Sie definieren, welche Aktien in einem Index gelistet sind und welche nicht. Jeder ETF-Anbieter, der einen Index abbilden will, zahlt dafür eine Lizenzgebühr – und diese Gebühr steigt mit dem verwalteten Vermögen. Je mehr Geld in einen S&P-500-ETF fließt, desto mehr verdient S&P an der Lizenz. Das ist ein bemerkenswertes Geschäftsmodell: Du stellst eine Liste zusammen und kassierst für jede Milliarde, die auf Basis dieser Liste investiert wird.

    Die Big Three: Konzentration statt Streuung

    BlackRock (iShares), Vanguard und State Street kontrollieren gemeinsam über 80 % des US-ETF-Marktes. Sie sind die größten Anteilseigner fast aller großen börsennotierten Unternehmen weltweit. Das führt zu einer paradoxen Situation: Durch die Passiv-Industrie halten die gleichen drei Konzerne Anteile an Konkurrenten, die eigentlich miteinander wettbewerben. Kritiker sprechen von einer "gemeinsamen Eigentümerschaft", die den Wettbewerb theoretisch schwächen kann – auch wenn die Fondsgesellschaften in der Regel nicht aktiv in das Management eingreifen.

    Für dich als Anleger bedeutet das ETF-Dilemma: Du streust zwar über tausende Aktien, konzentrierst aber gleichzeitig die Eigentümerschaft bei wenigen Verwaltern. Das ist kein Grund, ETFs zu meiden, aber es ist ein Grund, die Mechanik dahinter zu verstehen.

    Securities Lending: Ein versteckter Gewinn

    Ein oft übersehener Teil des ETF-Dilemmas ist das Wertpapierleihgeschäft (Securities Lending). Fondsgesellschaften verleihen die im ETF gebündelten Aktien an Hedgefonds und andere institutionelle Anleger, die auf fallende Kurse setzen (Leerverkäufe). Dafür erhalten sie Gebühren. Bei großen ETFs summiert sich das auf Millionenbeträge pro Jahr. Die Frage: Wie viel davon kommt bei dir als Anleger an? Bei einigen Anbietern wird ein Teil der Erlöse an den ETF zurückgegeben und senkt so die tatsächlichen Kosten. Bei anderen bleibt ein größerer Teil bei der Fondsgesellschaft.

    Broker: Der scheinbar kostenlose Handel

    Viele Neobroker werben mit null Euro Ordergebühren und kostenlosen ETF-Sparplänen. Das klingt attraktiv, wirft aber die Frage auf, wie diese Broker verdienen. Die Antwort liegt in mehreren Ebenen: Zinsmargen auf nicht investiertes Guthaben, Zahlungen für Orderfluss (Payment for Order Flow), Prämien von Handelsplätzen und Cross-Selling von Zusatzprodukten. Das bedeutet nicht, dass diese Broker schlecht für dich sind – aber es bedeutet, dass du verstehen solltest, dass du in manchen Fällen selbst das Produkt bist.

    Ein unabhängiger Depotvergleich hilft dir, die wahren Kosten und Interessenkonflikte deines Brokers zu erkennen. Achte nicht nur auf die Ordergebühr, sondern auf die Gesamtkosten inklusive Spread, Zinsmarge und eventueller Depotführungsgebühren.

    Die Konzentration im Portfolio: Ein Risiko?

    Marktgewichtete ETFs wie der MSCI World oder S&P 500 haben eine Eigenschaft, die das ETF-Dilemma verschärft: Sie kaufen automatisch mehr von den Aktien, die ohnehin schon groß sind. Steigt Apple, erhöht sich sein Gewicht im Index – und der ETF kauft nach. Das führt zu einer Selbstverstärkung, bei der die größten Unternehmen immer größer werden. Ende 2025 machten die zehn größten Werte im S&P 500 über 35 % des Index aus. Du glaubst, du streust weltweit – in Wirklichkeit investierst du stark in eine Handvoll Tech-Giganten.

    Dagegen gibt es Strategien: Breiter gestreute Indizes, gleichgewichtete ETFs oder eine Kombination aus verschiedenen Regionen und Sektoren. Wer sich nur auf einen einzigen weltweiten ETF verlässt, trägt eine höhere Konzentration, als vielen bewusst ist.

    So nutzt du das ETF-Dilemma für dich

    Das ETF-Dilemma ist kein Grund, ETFs zu meiden. Im Gegenteil: ETFs bleiben eines der effizientesten Instrumente für den langfristigen Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge. Doch du solltest bewusst investieren statt blind einen Sparplan laufen zu lassen. Dazu gehören drei Schritte:

    1

    Kosten bewerten, nicht nur TER vergleichen

    Schau dir die Gesamtkosten an, inklusive Tracking Difference und Spreads. Die TER allein sagt wenig über die wahren Kosten eines ETFs.

    2

    Konzentration begrenzen

    Setze nicht nur auf einen marktgewichteten Welt-ETF. Ergänze um kleine Positionen in Schwellenländern, Value-Strategien oder gleichgewichtete Indizes, um die Abhängigkeit von wenigen Giganten zu reduzieren.

    3

    Broker unabhängig wählen

    Prüfe, wie dein Broker verdient. Ein scheinbar kostenloser Broker kann teurer sein als einer mit transparenter Gebührenstruktur, wenn du die versteckten Kosten einrechnest.

    Warum das FREI-Modell die Lösung ist

    Das ETF-Dilemma zeigt: Wer blind investiert, gibt die Kontrolle ab – an Fondsgesellschaften, Indexanbieter und Broker mit eigenen Interessen. Genau hier setzt das von Jan-Ole Fürl entwickelte FREI-Modell an. Es ist kein weiterer ETF-Kaufempfehlungs-Newsletter, sondern ein umfassendes System, das dir zeigt, wie du ein Portfolio aufbaust, das wirklich zu deiner Situation passt – mit klaren ETF-Auswahlkriterien, bewusster Diversifikation und einem Prozess, der dich vor typischen Anfängerfehlern schützt.

    Das FREI-Modell berücksichtigt die Mechanik der Passiv-Industrie, statt sie zu ignorieren. Du lernst, welche ETFs sinnvoll gestreut sind, welche Konzentration vermeiden und wie du die wahren Kosten deines Depots bewertest. Jan-Ole Fürl hat dieses System entwickelt, weil er selbst erlebt hat, wie viele Anleger an vermeidbaren Fehlern scheitern: zu teure ETFs, zu große Konzentration, falscher Broker. Das FREI-Modell nimmt dir nicht die Entscheidung ab, aber es gibt dir das Werkzeug, um sie fundiert zu treffen.

    Häufige Fragen zum ETF-Dilemma

    Sind ETFs wegen der Gewinne der Konzerne schlecht?

    Nein. ETFs bleiben eine der effizientesten Anlageformen für Privatanleger. Dass die Industrie daran verdient, ändert nichts an der grundsätzlichen Überlegenheit gegenüber teuren aktiv gemanagten Fonds oder Einzelaktien. Du solltest nur verstehen, wie viel du wirklich zahlst.

    Was ist die Tracking Difference?

    Die Tracking Difference misst, wie stark ein ETF von seinem Index abweicht – nach allen Kosten und Erträgen. Sie ist aussagekräftiger als die TER, weil sie auch Securities-Lending-Erlöse berücksichtigt.

    Sollte ich gleichgewichtete ETFs nutzen?

    Gleichgewichtete ETFs verteilen das Kapital gleichmäßig auf alle Indexbestandteile statt nach Marktkapitalisierung. Das reduziert die Konzentration auf wenige Giganten, kann aber kurzfristig volatiler sein. Eine Beimischung kann sinnvoll sein.

    Wie viel verdient S&P an einem ETF?

    Die genauen Lizenzgebühren sind Verhandlungssache, bewegen sich aber im Bereich von 0,03 % bis 0,05 % pro Jahr des verwalteten Volumens. Bei Milliarden-Volumen summiert sich das auf dreistellige Millionenbeträge.

    Ist Payment for Order Flow ein Problem?

    Nicht zwingend. In den USA ist es streng reguliert. In Europa gibt es ähnliche Modelle in anderer Form. Wichtig ist, dass du weißt, wie dein Broker verdient, und ob das zu deinen Interessen passt.

    Fazit: Verstehen statt blind vertrauen

    Das ETF-Dilemma ist kein Grund, ETFs abzulehnen. Es ist ein Grund, hinzusehen. Wer versteht, wer an seinem Geld verdient, trifft bessere Entscheidungen – beim Broker, beim ETF und bei der Portfoliostruktur. Die Passiv-Industrie ist nicht dein Feind, aber sie ist auch nicht dein Freund. Sie ist ein Dienstleister, den du mit Bedacht nutzen solltest.

    Investieren mit System statt Bauchgefühl

    Du möchtest verstehen, wie du ein ETF-Portfolio aufbaust, das wirklich zu dir passt – ohne versteckte Kosten und ohne blinde Konzentration? Im FREI-Modell zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du ein krisenfestes, langfristig orientiertes Portfolio aufbaust.

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    Jan-Ole Fürl

    Über den Autor: Jan-Ole Fürl

    Jan-Ole Fürl ist Gründer der Investano Akademie und unabhängiger Finanzcoach. Er hilft Menschen dabei, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen und durch clevere Anlagestrategien wie das FREI- und CASH-Modell finanzielle Freiheit zu erreichen.

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